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Emanuel Lasker

* 24.12.1868 in Berlinchen (Preußen)

† 11.01.1941 in New York

Schach

Zeitpunkt der Aufnahme 2008

Einziger deutscher Schachweltmeister: Emanuel Lasker (Foto: picture alliance)
Emanuel Lasker 1896 (Foto: picture alliance)
Von 1895 bis 1921: 27 Jahre lang Schachweltmeister (Foto: picture alliance)
Als Jude musste Lasker nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrieren. (Foto: picture alliance)
Emanuel Lasker: Rekord-Schwachweltmeister, Mathematiker und Philosoph (Foto: picture alliance)
Portrait

Rekord-Schachweltmeister, Mathematiker und Philosoph

Von 1894 bis 1921 war Emanuel Lasker 27 Jahre lang Schach-Weltmeister – ein von keinem anderen Spieler je wieder erreichter Rekord. Im Alter von 25 Jahren forderte Lasker, der bis dahin noch kein international bedeutsames Turnier gewonnen hatte, im August 1893 den amtierenden Weltmeister Wilhelm Steinitz heraus. Ab dem 15. März 1894 fand der Wettkampf in New York, Philadelphia und Montreal statt. Nach einem Stand von 10:5 gab es am 26. Mai 1894 einen neuen Schachweltmeister. Danach gelang Lasker eine Serie außerordentlicher Turniererfolge. Der zweite offizielle Schach-Weltmeister und bisher einzige deutsche war enorm vielseitig. Lasker promovierte in Mathematik, diskutierte mit Albert Einstein physikalische Probleme, publizierte philosophische und politische Werke und betätigte sich als Herausgeber einer Schachzeitschrift. Er erlangte weltweite Berühmtheit und zählte zu den bekanntesten Deutschen im Ausland. Als Jude musste er nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrieren.

Erfolge

Größte Erfolge:
› Zweiter offizieller Weltmeister, bisher als einziger Deutscher
› 27 Jahre lang Weltmeister (1894–1921) – ein nie wieder erreichter Rekord

Auszeichnungen:
› Mitglied der Kant-Gesellschaft
› Namensgeber für Eröffnungsvarianten im Schach

Biografie

Rekord-Schachweltmeister, Mathematiker und Philosoph

Es ist einigermaßen zweifelhaft, ob Emanuel Lasker jemals daran dachte, in eine Reihe der besten Sportler eingereiht zu werden. Es gilt sogar als Tatsache, dass Lasker nichts mit dem Sport oder irgendwelchen Leibesübungen zu tun haben wollte. Er starb 1941, was bedeutet, dass er sich nicht mehr wehren kann gegen die Aufnahme in eine Ruhmeshalle irgendwelcher Art. Außerdem steht der Deutsche Schachbund unter den Mitgliedsverbänden des Deutschen Olympischen Sportbundes – nach dem Rugby-Verband und vor dem Schützenbund. Emanuel Lasker war ein Schachspieler. Er war Großmeister dieses Spiels, Mathematiker und Philosoph. Er war 27 Jahre lang – von 1894 bis 1921 – Weltmeister. Nie hat einer eine längere Regierungszeit gehabt.

Er wurde 1868 im preußischen Berlinchen geboren als jüngster Sohn des Kantors Adolf Lasker und Frau Rosalie Israelson. Es gab noch zwei Schwestern, Theophila und Amalia, sowie den Bruder Berthold. Die Laskers genossen in der jüdischen Gemeinde einen guten Ruf. Berthold wurde nach Berlin geschickt, wo er Medizin studierte. Emanuel folgte seinem Bruder nach Berlin, wo er ein Gymnasium besuchen konnte. Er war bereits zwölf Jahre alt, als er von seinem älteren Bruder das Schachspiel beigebracht bekam – Emanuel war davon gefesselt. Aber die Eltern waren der Meinung, dass der kleine Emanuel zu viel Zeit mit dem Spiel verbrachte. Sie brachten ihn nach Landsberg/Warthe, wo er 1888 das Abitur ablegte.

Nach dem Studium der Mathematik in Berlin und Göttingen nahm er mit dem Bruder an einem internationalen Meisterturnier in Breslau teil und gewann. Weitere Siege gegen berühmte Gegner folgten. Er beschloss, das Studium zu beenden und zog nach London – damals der Mittelpunkt der Schachwelt. Er begann damit, eine Schachzeitung in englischer Sprache herauszugeben, mit der er aber nur mäßigen Erfolg hatte.

Weltmeister war der aus Österreich stammende Wilhelm Steinitz, der im ersten Weltmeisterschaftsturnier gegen den Russen Zuckertort gewonnen hatte. Steinitz zog nach New York, wo es für die Größen der Branche viel Geld zu gewinnen gab. Emanuel Lasker zog es 1893 ebenfalls nach New York. Steinitz und Lasker gingen sich zunächst sorgfältig aus dem Weg, was bedeutete, dass beide gute Dollars einnahmen. Aber auf die Dauer war das Duell nicht zu vermeiden – vor allem auch, weil sich in den Vereinigten Staaten und in Kanada Sponsoren fanden, die für einen Kampf um die Weltmeisterschaft zwischen Steinitz und Lasker zu zahlen bereit waren. Die Auseinandersetzung dauerte vom 15. März bis zum 26. Mai 1894.

Emanuel Lasker kam auf zehn Siege, vier Remis und fünf Niederlagen; er wurde damit der zweite offizielle Weltmeister. Die Partien dieser Weltmeisterschaft gelten nicht als besonders spektakulär, und es war auch so, dass Steinitz seine Höhepunkte bereits überschritten hatte. Bei seinem ersten Turnier als Weltmeister in Hastings 1895 unterlag Lasker ziemlich sang- und klanglos dem Amerikaner Harry Pillsbury. Er war mehr an einem Buch interessiert, dass er fertig stellen wollte. Es handelte vom „Gesunden Menschenverstand“.

Er gab Steinitz in Moskau 1897 Gelegenheit zu einem Revanchekampf, den er mit zehn Siegen, fünf Remis und nur zwei Niederlagen noch klarer für sich entschied. Dann zog es ihn wieder nach Hause. Er nahm das Studium in Heidelberg und Berlin wieder auf und wurde an der Universität in Erlangen promoviert. Lasker übernahm die Deutsche Schachzeitung – und gab diese Arbeit wieder auf. Er gründete das in New York erscheinende „Laskers Chess Magazine“ und wurde damit auch nicht glücklich. Er versuchte, eine akademische Laufbahn einzuschlagen, aber Universitäten in Deutschland, England und den USA nahmen ihn nicht an. Er vertiefte sich in philosophische Schriften und publizierte auch darüber, aber Geld konnte er nur mit dem Schachspiel verdienen. Er verteidigte 1897 seinen Titel gegen den US-Meister Frank J. Marshall und schlug ihn vernichtend ohne eine einzige Niederlage.

Dr. Emanuel Lasker kehrte 1908 nach Deutschland zurück, er schrieb über Schach und Philosophie, aber seinen Lebensunterhalt vermochte er nur über Turniere und Herausforderungen zu bestreiten, wobei er es oft gar nicht nötig hatte, glänzende Partien zu spielen. Seine finanziellen Forderungen an die Veranstalter stiegen – auch aus dem Grund, weil Lasker miterleben musste, wie sein alter Konkurrent Steinitz inzwischen in Armut lebte. Lasker heiratete 1911 die Autorin Martha Kohn, die unter dem Pseudonym Kartha Karco veröffentlichte. Zum ersten Mal erhielt er eine Herausforderung des jungen Kubaners José Raul Capablanca, aber es gab niemand, der für die Veranstaltung das nötige Geld zusammenbringen wollte.

Kurz vor dem Ausbruch des ersten Krieges – im April/Mai 1914 – gab es in St. Petersburg eines der stärksten Turniere der Geschichte. Elf Großmeister bestritten dieses Turnier, Lasker erhielt ein für damalige Verhältnisse gewaltiges Startgeld von viertausend Rubel – er siegte schließlich vor Capablanca. Die Welt hatte sich nachher auch für Lasker verändert. Sein Vermögen hatte er durch Kriegsanleihen – wie viele Juden – verloren. Der Kubaner Capablanca erneuerte seine Herausforderung und brachte schließlich auch das Geld dafür auf. Vom 15. März bis zum 28. April 1921 spielte man in Havanna.

Als Lasker den Wettkampf nach vierzehn Partien aufgab, war er 27 Jahre Weltmeister gewesen. Das änderte nichts daran, dass die Schach-Anhänger herbeiströmten, wenn er mitspielte, wobei er auch den neuen und jüngeren Weltmeister aus Kuba besiegte. Er schrieb über alle möglichen Spiele, die nicht nur auf Glück beruhten, sondern einen logischen Verstand benötigten. Es gab viele Schriften zur Philosophie und natürlich zum Schach.

Als die Nazis 1933 die Macht übernahmen, flüchteten Lasker und seine Frau zunächst nach Holland, dann nach London. Er wurde gezwungen, seinen Lebensunterhalt durch das Spiel zu bestreiten, in dem er einst der Weltmeister war. Die Akademie der Wissenschaften in Moskau war es schließlich, die ihm eine neue Heimat gab. Es hieß, er würde am mathematischen Institut arbeiten, aber seine hauptsächliche Betätigung bestand in der Schulung der begabten Spieler in der neuen UdSSR. Spieler wie Aljeschin, Botwinnik oder Bogoljubow lernten bei ihm. Lasker selbst spielte mit und belegte bei Turnieren gute Plätze. Das letzte Turnier spielte er 1936 in Nottingham.

Es gelang ihm, 1937 die Sowjetunion zu verlassen. Er kam mit seiner Frau nach New York. 1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Als er Anfang Januar 1941 im Sinai-Hospital in New York starb, hatten er und seine Frau entbehrungsreiche Jahre erlebt. Das Grab von Emanuel Lasker liegt auf dem Friedhof des New Yorker Stadtteil Queens.

Die Meinungen der Meister dieses Spiels über Emanuel Lasker gehen mitunter weit auseinander. Hat er den wissenschaftlich richtigen Zug bevorzugt oder nur den für den konkreten Gegner unangenehmsten Zug? Unbestritten ist, dass mehrere Eröffnungsvarianten nach ihm benannt wurden. Kurz vor seinem Tode veröffentlichte er in New York die politische Schrift „The Community of the Future“ – Ideen zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. In seinem Lehrbuch des Schachspiels heißt es: „Auf dem Schachbrett der Meister gilt Lüge und Heuchelei nicht lange!“ 

Ulrich Kaiser, Mai 2008


Literatur zu Emanuel Lasker:

Elke-Vera Kotowski (Hrsg.): Emanuel Lasker: homo ludens, homo politicus. Potsdam 2003

Michael Dreyer, Ulrich Sieg (Hrsg.): Emanuel Lasker – Schach, Philosophie, Wissenschaft. Berlin/Wien 2001

Jacques Hannak: Emanuel Lasker: Biographie eines Schachweltmeisters. Berlin, 1952

Isaak und Wladimir Linder: Das Schachgenie Lasker. Berlin 1991

Emanuel-Lasker-Gesellschaft: www.lasker-gesellschaft.de