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Heiner Brand

* 26.07.1952 in Gummersbach

Handball

Zeitpunkt der Aufnahme 2007

Heiner Brand wird 1978 in Dänemark Handball-Weltmeister (Foto: picture alliance)
Am 2. Februar 1978 stehen sich in Helsingör im Gruppenspiel der Handball-Weltmeisterschaft die BRD und Rumänien gegenüber. Das Spiel endete 17:17 unentschieden. (Foto: picture alliance)
Februar 1978: Heiner Brand im Finale der Handball-Weltmeisterschaft, das Deutschland gegen die Sowjetunion gewinnt (Foto: picture alliance)
Ein Leben lang Freunde: Die Handball-Weltmeister von 1978 Joachim Deckarm und Heiner Brand (Foto: picture alliance)
Heiner Brand als Vereinstrainer mit dem VfL Gummersbach und der SG Wallau-Massenheim erfolgreich (Foto: picture alliance)
Heiner Brands geballte Faust: Viertelfinale Spanien gegen Deutschland bei der WM 2007 (Foto: picture alliance)
Brand führt die Handball-Nationalmannschaft 2007 im eigenen Land als Trainer zum WM-Titel (Foto: picture alliance)
Brands Markenzeichen ist der Walrossbart (Foto: picture alliance)
Heiner Brand als Weltmeistertrainer 2007: Eine Filmsequenz aus dem Kinofilm "Projekt Gold" (Foto: picture alliance)
2007 wird Heiner Brand mit der Goldenen Sportpyramide ausgezeichnet (Foto: picture alliance)
Ein Lächeln bei Brands Abschiedsspiel am 3. Juni 2012 in Mannheim (Foto: picture alliance)
Portrait

Handball-Weltmeister als Spieler und Trainer 

1978 als Spieler schon Weltmeister, führte Heiner Brand die Handball-Nationalmannschaft 2007 im eigenen Land auch als Trainer zum WM-Titel. Das „Wintermärchen“ war die Krönung nach fünf Endspielteilnahmen bei Großereignissen, wobei er 2004 gleichzeitig den EM-Titel und Olympia-Silber feiern konnte. Schon in seiner aktiven Zeit beim VfL Gummersbach zählte der sechsfache Deutsche Meister zu den renommiertesten Persönlichkeiten des deutschen Handballs. Als Trainer gewann Heiner Brand mit dem VfL Gummersbach und der SG Wallau-Massenheim Vereinstitel, ehe er 1997 die Nationalmannschaft übernahm und bis Juni 2011 führte. Aufgrund seiner beispiellosen Erfolge wurde er sechsmal als Handball-Trainer des Jahres ausgezeichnet. Brand blieb auch im Sieg stets bescheiden und engagiert sich seit langem zusammen mit der Deutschen Sporthilfe für den ehemaligen Mitspieler Joachim Deckarm, der seit einem Unfall 1979 permanent auf Hilfe angewiesen ist.

Erfolge

Größte Erfolge:
› Weltmeister als Spieler (1978) und Trainer (2007)
› 2004 Europameister und Olympia-Zweiter als Trainer
› Als Spieler und Trainer mehrfach Deutscher Meister und Pokalsieger
› Als Spieler fünfmal Europapokalsieger

Auszeichnungen:
› Bundesverdienstkreuz am Bande (2007)
› Goldene Sportpyramide (2007)
› Verdienstorden Nordrhein-Westfalen (2007)
› Ehrenring Gummersbach (2007)
› DOSB-Trainer des Jahres 2007
› Handball-Trainer des Jahres 1998, 2002, 2003, 2005, 2006, 2007
› Goldenes Band der Sportpresse (2012)

Biografie

Handball-Weltmeister als Spieler und Trainer

Der Oberberger an sich gilt als knurrig, knorrig und stur. Attribute, die auch Heiner Brand anhaften. Aber vielleicht sind es gerade diese Wesenszüge, die den Gummersbacher zu einer Lichtgestalt des Handballs machten und diese Sportart in Deutschland zu neuer Blüte führten. Es gibt nicht wenige, die meinen, seine Gradlinigkeit, die Gabe, sich durch nichts vom Ziel abbringen zu lassen, habe dem Mann mit dem buschigen Schnauzer den rechten Pfad einschlagen lassen. Viele Erfolgsstationen säumen diesen Weg, und noch immer sind sein Ehrgeiz und sein Erfolgshunger nicht gestillt. 27 hochkarätige Titel sammelte Heiner Brand, wobei mancher Triumph bei ihm gar nicht erst auf die Agenda wandert, weil der sportliche Wert der einen oder anderen Veranstaltung seinen Ansprüchen nicht genügte. So bekommen „nur“ 27 erste Plätze den Ritterschlag, in seiner Vita aufgezählt werden zu dürfen.

Herausragend dabei die beiden Weltmeistertitel. Kein anderer Handballer auf diesem Planeten schaffte das bisher. 1978 in Dänemark an der Seite seiner Freunde Kurt Klühspies oder Joachim Deckarm in Kopenhagen als Abwehrchef und Kopf jener deutschen Mannschaft, die den damaligen Handball-Riesen UdSSR stürzte. Und im Jahr 2007 als Trainer einer Mannschaft, die mit ihrem natürlichen Auftreten und ihrem beherzten Spiel in Deutschland die Hallen füllte und für tolle Stimmung sorgte. Seitdem trägt das Leben des Heiner Brand andere Züge. Die Galionsfigur des deutschen Handballs wird nicht nur wegen der markanten Gesichtsbehaarung nun allerorten erkannt. Vorbei die Zeiten, als er in seiner „Kulturhauptstadt“ Köln in Ruhe ein paar Kölsch in einer der unzähligen Brauereien schlürfen konnte. Nach dem Final-Triumph – eben in seiner Lieblingsstadt Köln – muss die Lokalität nunmehr sorgsam ausgewählt sein, um die knapp bemessene Freizeit genießen zu können.

Wohlgemerkt, Heiner Brand ist keiner, der nicht weiß, dass Popularität ihren Preis hat. Er ist keiner, der Autogrammjägern aus dem Weg geht oder nicht für einen kurzen Plausch stehen bleibt. Aber er braucht auch Auszeiten. Manchmal wirkt er grimmig und verschlossen. Aber das wird seinem wahren Charakter nicht gerecht. Er ist vorsichtig, nicht unnahbar, zurückhaltend, aber nie arrogant. Authentizität, Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit sind wichtige Säulen seiner Weltanschauung. Dies wird deutlich in seinen eloquenten Vorträgen bei Business Events, wo er vor Führungskräften namhafter Großkonzerne über Teambuilding und Motivation referiert. Und oft fanden seine Werte in den Lobreden Erwähnung, die anlässlich der unzähligen Ehrungen nach dem zweiten Gewinn einer Weltmeisterschaft gehalten wurden.

Mit der ihm eigenen Bescheidenheit, aber durchaus auch mit ein wenig verdecktem Stolz nahm er alle Auszeichnungen entgegen. Natürlich zählte da die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes durch den Bundespräsidenten zu den ruhmreichsten, aber auch die „Goldene Sportpyramide“ nahm Heiner Brand mit besonderer Freude entgegen. Es machte ihn schon fast verlegen, nach der Ehrung durch die Deutsche Sporthilfe in einem Atemzug mit von ihm so verehrten Sportgrößen wie Franz Beckenbauer, Uwe Seeler oder Max Schmeling genannt zu werden. Zu Lebzeiten als „Legende des Sports“ beim Sportpresseball in der Alten Oper zu Frankfurt ausgezeichnet zu werden, ließ ihn zunächst ein wenig stutzen. Aber inzwischen trägt er auch diese Auszeichnung mit Würde.

Als 14. Bürger seiner Heimatgemeinde wurde ihm auch der „Ehrenring der Stadt Gummersbach“ an den Finger gesteckt. Mit dieser Stadt und den Menschen dort fühlt sich Heiner Brand tief verwurzelt. Auch mit ihrer manchmal schroffen Art. Gern erzählt er von einer Begegnung im Postamt der Stadt, als er kurz nach dem Gewinn des Europameistertitels 2004 sein Postfach leeren wollte. Da sprach ihn ein älterer Herr an. Heiner Brand setzte ein freundliches Gesicht auf und erwartete einen weiteren Glückwunsch für die großartigen Leistungen beim Turnier in Slowenien. Doch sein Gegenüber raunzte nur: „Na, jetzt musst auch du wieder richtig arbeiten für dein Geld.“

Gummersbach – das ist ein Name, den man gemeinhin mit dem Handballsport verbindet, mit dem ruhmreichen VfL, der zum erfolgreichsten Handballverein der Welt aufstieg. Und jeder Titel – national wie international – trug das „Brand-Zeichen“ der Familie von der Lebrechtstraße. Dort zeigte Vater Cherry Brand den Weg seiner drei Söhne vor. Selbst seinerzeit einer der besten Handballer Deutschlands, gilt er als Mitbegründer des Klubs, baute – später gemeinsam mit VfL-Ikone Eugen Haas – die Erfolgsstrukturen auf. Selbst als Heiner längst als hoch dekorierter Bundestrainer agierte, mangelte es nicht an handballerischen Tipps von seinem Vater.

In seinem Elternhaus wurden die Grundelemente für seine Erfolgsleiter gelegt. Die anerzogenen Werte wie Disziplin, Pünktlichkeit, Beharrlichkeit, Sauberkeit setzen sich bis zum heutigen Tag fort. Jede Abfahrt des deutschen Mannschaftsbusses bestimmt nur ein Mann – der Trainer. Wenn er punktgenau seinen Platz ganz vorne neben dem Fahrer einnimmt, ist dies das Zeichen, dass es losgeht. Kein Besprechungsraum wird verlassen, ohne dass die Stühle wieder ordentlich am Tisch stehen.

Heiner wuchs im steten Wettkampf mit seinen beiden älteren Brüdern Klaus und Jochen auf und wollte „immer mindestens so gut wie die beiden werden“. Auch im Fußball hätte er dies sicher geschafft, doch im Hause Brand gab es nur ein Thema – Handball. Da galt es sich zu behaupten. Seine ausgeprägte Kämpfermentalität half ihm dabei weiter. Noch heute beim Golfen kommt es ab und an vor, dass ein eigentlich aussichtslos im Unterholz verschwundener Ball aufgespürt und weitergespielt wird, auch wenn es einfacher und auch mit Blick auf das Ergebnis besser wäre, Erleichterung und einen Strafschlag in Kauf zu nehmen. Aber das röche irgendwie nach Aufgabe oder zumindest nach Ausflucht – kommt also nicht in Frage.

So war er auch als Spieler, der einfache Weg musste es nicht sein. Steinig und mühsam geht es Richtung Erfolg. Da bekommt man nichts geschenkt. Diese positive Besessenheit lebte er vor und verlangte Gleiches von seinen Mitspielern. So manchem, der nicht so recht mitziehen mochte, machte er dies mit drastischen Worten klar. Andere forderte und förderte er, und viele sind noch heute treue Wegbegleiter. Einer seiner besten Freunde ist Joachim Deckarm, mit dem er erfolgreiche Jahre im blau-weißen VfL-Trikot teilte. Seit Deckarms tragischem Sportunfall im Jahre 1979 kümmert er sich rührig darum, dem Rekonvaleszenten eine zumindest finanziell sorgenfreie Zukunft zu ermöglichen.

Neben dem Sport zog Heiner Brand in Köln, wo er zeitweise auch wohnte, sein Studium durch und schloss es als Diplom-Kaufmann ab. Später übernahm er die Versicherungs-Agentur seines Vaters in Gummersbach. Inzwischen wird sie von Sohn Markus geleitet, den er in seiner Zeit als aktiver Spieler oder engagierter Trainer viel zu selten sah, um an seiner Erziehung oder an der von Tochter Julia maßgebend teilzuhaben. Dafür zeichnete Heiners Frau Christel verantwortlich, die ihm über alle Jahre ein wichtiger Rückhalt für all sein Tun und Handeln ist. Erst jetzt nimmt sich Brand die Zeit, sich mit seinen Enkeln lange und ausgiebig zu beschäftigen. Wenn sie zu Besuch sind, wird das Telefon ausgestellt, gibt es keine anderen Termine.

Was immer wieder erstaunt bei Heiner Brand, ist die Akribie, mit der er ein Unternehmen angeht. Für jeden großen Event vermag er sich und seine Spieler topp zu motivieren, arbeitet dafür einen haargenau ausgeklügelten Plan aus. Keine Entscheidung wird dem Zufall überlassen. Heiner Brand will über alles informiert sein und weiß am Schluss auch alles. Die Wichtigkeit kleinster Details achtend, seine komplette Kompetenz und die Summe gut abgewogener, richtiger Entscheidungen machen den Unterschied aus. Das sind sicher Geheimnisse seiner Erfolge.

Wer geglaubt hatte, der WM-Titel 1978 sei für ihn Grund, alles etwas geruhsamer anzugehen, der sah sich getäuscht. Für ihn war es nur ein neuer Ansporn, noch mehr erreichen zu wollen. Und auch nach dem WM-Titel 2007 ging es mit Volldampf weiter. Fast schien es, als sei er ein wenig erlöst darüber, dass nun – nach fast dreißig Jahren – eine neue Generation zu Weltmeister-Ehren gekommen war. Der ewig lange Blick zurück auf den Mythos „WM ´78“ war geschlossene Historie. Und so schaut Heiner Brand lieber weiter nach vorn auf seinen Weg – gerade, unbeirrbar, zielbewusst – ein Ende indes ist noch lange nicht in Sicht. 

Charly Hühnergarth, Mai 2007


Literatur zu Heiner Brand:

Heiner Brand, Frank Schneller: InTeam, Biografie. Pfaffenweiler 2004