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Prof. Dr. Klaus Steinbach

* 14. Dezember 1953 in Kleve

Schwimmen

Gestalter & Denker

Zeitpunkt der Aufnahme 2018

Klaus Steinbach: der erste Schwimmer der Welt, der 100m Freistil in unter 50 Sekunden zurücklegt (Foto: picture alliance)
Nach seinem Rekord hat Steinbach Grund zu Strahlen (Foto: picture alliance)
Bei den deutschen Meisterschaften 1973 schwimmt Steinbach Jahresweltbestzeit über 200m Freistil (Foto: picture alliance)
Klaus Steinbach jubelt bei den Olympischen Spielen in Montreal 1976 über seinen Sieg im Vorlauf (Foto: picture alliance)
... am Ende belegt Steinbach bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal den fünften Platz über 200m Freistil (Foto: picture alliance)
Bronze für die bundesdeutsche 4x100m Lagen-Staffel bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal um Klaus Steinbach (links) (Foto: picture alliance)
Klaus Steinbach und Peter Nocke präsentieren stolz ihre Medaille bei der WM 1976 (Bild: picture alliance)
Nach Beendigung seiner aktiven Karriere ist Steinbach als Schwimmlehrer tätig (Foto: picture alliance)
Klaus Steinbach als NOK-Präsident trägt mit Claudia Pechstein (links) 2004 das Olympische Feuer durch Berlin (Foto: picture alliance)
Chef de Mission Klaus Steinbach bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2006 in Turin (Foto: picture alliance)
Prof. Dr. Klaus Steinbach fungiert 2015 bei den European Games in Baku als Medical Chairman (Foto: picture alliance)
Prof. Dr. Klaus Steinbach mit Ehefrau beim Ball des Sports 2017 (Foto: picture alliance)
Prof. Dr. Klaus Steinbach mit der Goldenen Sportpyramide 2018 (Foto: picture alliance für Deutsche Sporthilfe)
Portrait

Weltklasseschwimmer, Sportmediziner und Sport-Förderer

Klaus Steinbach gilt als „Mann für alle Fälle“. In den 1970er Jahren war er einer der herausragenden deutschen Schwimmer, mit insgesamt sieben Medaillen bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften. Nach der sportlichen Karriere engagierte sich der promovierte Mediziner und erfolgreiche Klinik-Direktor in besonderer Weise auch als Funktionär für den Sport.

 

Bei seinem ersten internationalen Großereignis, den Olympischen Spielen 1972 in München, erreichte der gebürtige Nordrhein-Westfale über 100 und 200 Meter Freistil die Finals und gewann mit der 4x200-Meter-Freistil-Staffel hinter den USA die Silbermedaille. Auch bei den Welt- und Europameisterschaften der folgenden Jahre erschwamm Steinbach Medaillen. Höhepunkte waren der WM-Titel mit der 200-Meter-Freistil-Staffel 1975 im kolumbianischen Cali sowie fünf Staffel-EM-Titel. Er stellte acht Welt- und neun Europarekorde auf. Bei den Spielen 1976 in Montreal gewann Steinbach seine zweite Olympiamedaille: Bronze mit der 4x100-Meter-Lagen-Staffel. Durch den Boykott 1980 verpasste er die Spiele in Moskau, in diesem Jahr beendete er auch seine aktive Karriere.

 

Klaus Steinbach schloss parallel zum Sport 1983 das Medizin-Studium  ab und promovierte 1986. Anschließend arbeitete er als Assistenzarzt in verschiedenen Kliniken und war von 1989 bis 1991 Chefarzt an der orthopädischen Rehaklinik in Bad Urach. 1992 wechselte er als Chefarzt zu den Hochwald-Kliniken Weiskirchen/Saar und stieg dort 1997 zum Ärztlichen Direktor auf. 

 

Dem Sport blieb Steinbach nach Karriereende in ehrenamtlicher Funktion verbunden. Zunächst ab 1981 als persönliches Mitglied im Nationalen Olympischen Komitee (NOK) für Deutschland, 1997 rückte er in das NOK-Präsidium auf. Bei den Spielen 2000 in Sydney, 2004 in Athen sowie 2006 in Turin führte er die deutsche Olympiamannschaft als Chef de Mission. Am 3. November 2002 wurde er in Nürnberg in einer Kampfabstimmung gegen Amtsvorgänger Walther Tröger zum NOK-Präsidenten gewählt. Steinbach führte das NOK in die Fusion mit dem Deutschen Sportbund (DSB) zu dem am 20. Mai 2006 gegründeten Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Seit 1989 engagiert sich Steinbach zudem in Gremien der Deutschen Sporthilfe: bis 2002 als Mitglied im Gutachterausschuss, von 2003 bis 2006 als stellvertretender Vorstandsvorsitzender und seit 2006 als Mitglied des Aufsichtsrats. Von 1992 bis 1998 war er Mannschaftsarzt der deutschen Frauen-Volleyball-Nationalmannschaft, 1996 in Atlanta des deutschen Olympiateams.


Auch in vielen weiteren Ehren-Ämtern ist er für den Sport aktiv: Seit 2009 als Vorsitzender der Medizinischen Kommission der Europäischen Olympischen Komitees (EOC), von 2003 bis 2016 war er Mitglied der Medizinischen Kommission des IOC und von 2005 bis 2013 Mitglied des EOC-Exekutivkomitees, im DOSB nimmt er seit 2006 die Funktion eines der 15 gewählten persönlichen Mitglieder ein. Darüber hinaus engagiert sich Steinbach als Mitglied in den Hilfsvereinen Sportler für Organspende und Kinderhilfe Organtransplantation, als medizinischer Betreuer für den verunfallten Handball-Weltmeister Joachim Deckarm sowie im Eagles Charity Golfclub für unschuldig in Not geratene Menschen. 2017 wurde ihm der Saarländische Verdienstorden verliehen, die höchste Auszeichnung des Saarlandes.

Erfolge

Größte Erfolge:
> Olympiasilber mit der 4x200m-Freistil-Staffel 1972
> Olympiabronze mit der 4x100m-Lagen-Staffel 1976
> Weltmeister mit der 4x200m-Freistil-Staffel 1975
> vierfacher WM-Zweiter, jeweils mit der Staffel
> WM-Dritter über 100 m Freistil (1978) und mit der 4 x 200m-Freistil-Staffel (1973)
> fünffacher Europameister, jeweils mit der Staffel
> 25-facher Deutscher Meister
> Acht Welt-, neun Europa-, 64 nationale Rekorde
> Erster Mensch unter 50 Sekunden über 100 m Freistil auf einer 25-m-Bahn


Auszeichnungen:
> Saarländischer Verdienstorden (2017)
> Fair-Play-Preis der UNESCO (1981)
> Silbernes Lorbeerblatt (1972)


Ämter im Sport (Auswahl):
> Vorsitzender der Medizinischen Kommission der Europäischen Olympischen Komitees (seit 2009)
> Mitglied im Aufsichtsrat der Stiftung Deutsche Sporthilfe (seit 2006)
> Persönliches Mitglied im DOSB (seit 2006)
> Mitglied des Exekutivkomitees der Vereinigung der Europäischen Nationalen Olympischen Komitees (2005 bis 2013)
> Mitglied der Medizinischen Kommission des IOC (2003 bis 2016)
> Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (2002 bis 2006)
> Chef de Mission der deutschen Olympiamannschaften (2000 und 2004)
> Mitglied im Gutachterausschuss der Stiftung Deutsche Sporthilfe (1989 bis 2002)

Biografie

Drei Leben in einem großen Ganzen

 

Um das vielseitige Leben des Klaus Steinbach zu erfassen, eignen sich besonders die Schwimm-Weltmeisterschaften 1978 in West-Berlin. Damals pendelte der Medizinstudent während der Titelkämpfe mit dem Flugzeug zwischen Saarbrücken und der noch geteilten Stadt. Er wollte zeitgleich im Studium und im Schwimmbecken erfolgreich sein. Das Kunststück gelang dem damals 24-Jährigen mit Bravour. Steinbach fügte seiner überaus reichen Medaillensammlung zwei Vizeweltmeisterschaften mit den 4 x 100 m Freistil- und Lagen-Staffeln hinzu und darüber hinaus eine Bronzemedaille über 100 m Freistil. Die ihm mindestens so wertvolle Zusatzmedaille errang er durch das bestandene Physikum. Unter dem Titel „Bärtiger verhöhnt die Glatzköpfe“ schrieb damals die „Welt“: Er ist alt und trainiert zu wenig, um schnell zu sein. Er konzentriert sich aufs Studium, nicht auf den Sport, verhöhnt mit seinem Vollbart künstliche Glatzköpfe im Wasser.“ Schon damals glaubten Eliteathleten, Haarlosigkeit an Kopf und Körper besorge Hundertstelsekunden Vorsprung.

 

Was so klang wie der Mangel an vollständiger Hingabe, war in der Realität der Übergang eines reichlich mit Talenten gesegneten Sportlers in ein weiteres Leben. Klaus Steinbach, der Schwimmer, glitt langsam hinein in das Leben eines Mediziners, das in das Parallel-Leben eines Sportfunktionärs mündete, besser ausgedrückt in das Leben eines Sport-Förderers. So kann man sagen: Klaus Steinbach hat als Schwimmer, Arzt und enger Begleiter des Sports drei Leben gelebt, die in einem großen Ganzen zusammengekommen sind. Dokumentiert am 7. April 2017 durch die Verleihung des Saarländischen Verdienstordens, der höchsten Auszeichnung des Bundeslandes. „Das hohe persönliche Engagement von Prof. Dr. Klaus Steinbach als renommierter Sportmediziner und als ehemaliger Spitzensportler ist beispielhaft“, lobte Annegret Kramp-Karrenbacher als Ministerpräsidentin des Saarlandes. Steinbach habe sich über viele Jahre ehrenamtlich für den Spitzen- und Breitensport und als Sportmediziner für Gesundheitsprävention und effektive Reha-Therapie eingesetzt.

 

Alles begann damit, dass Schwimm-Eltern in Kleve am Niederrhein ihren talentierten Sohn Klaus, wie auch ihre talentierte Tochter Angela, nach Saarbrücken in die „Max-Ritter-Schule“ schickten, eine Leistungssport-Zentrale des Deutschen Schwimm-Verbandes, die sehr früh in der Bundesrepublik zusammen mit dem Fechtzentrum in Tauberbischofsheim ein Beispiel setzte für eine umfassende Entwicklung von Talenten. Als der junge Klaus Steinbach bei den Olympischen Spielen in München 1972 bereits Sechster und Achter über 200 m und 100 m Freistil wird und mit der 200-m-Kraulstaffel sogar die Silbermedaille gewinnt, hat der Westen Deutschlands einen neuen Schwimmstar. Der sammelt weiter national und international Medaillen im Dutzend und schafft, zusammen mit Peter Nocke, gleichwertiger Konkurrent und Kumpel aus Wuppertal, Einmaliges: Weltmeister 1975 in der Prestigestaffel über 200 m Freistil mit dem Seriensieger USA im geschlagenen Feld. Klaus Steinbach wechselt mangels gleichwertiger Trainingspartner noch vor den Olympischen Spielen 1976 in Montreal, wo er mit der 4 x100 m Lagenstaffel Bronze gewinnt, zum SSF Bonn. Danach trainiert er sich vor allem selbst. „Ich bekam einen Studienplatz und musste sehen, was noch geht.“

 

Die WM in Berlin wird dann zum letzten Höhepunkt des 1,91 m großen, hoch talentierten Wassersprinters. Das olympische Karriere-Finale 1980 in Moskau fällt wegen des bundesdeutschen Boykotts aus, so dass Steinbach seine Medaillensammlung nicht erweitern kann: Neben olympischem Silber und Bronze 25 Mal Deutscher Meister, fünf Europatitel, viermal WM-Zweiter, acht Weltrekorde, neun Europarekorde. Als erster Schwimmer der Welt über 100m 1976 mit 49,78 Sekunden Unterbieter der magischen 50-Sekunden-Grenze, dies auf einer 25-m-Bahn. Dennoch galt Klaus Steinbach in der Öffentlichkeit als Unvollendeter, was das „Hamburger Abendblatt“ so beschrieb: „Schwimmen ist für ihn stets ein feuchtfröhliches Unternehmen, das Privatleben hat in der Vergangenheit keineswegs abseitsgestanden.“ Er habe seine großen Erfolge „nie mit außergewöhnlichem Trainingsfleiß erarbeiten müssen“. Steinbach entgegen, er habe sich den Leistungssport-Realitäten der 70-er Jahre anpassen müssen, nämlich der dualen Karriere eines reinen Amateurs, der nur durch die gerade erst ins Leben gerufene Stiftung Deutsche Sporthilfe Unterstützung erfuhr. Daraus sei die Notwendigkeit entstanden, sich parallel für einen Beruf auszubilden. Mit allen Zwängen und Kompromissen, „wenn die Karriere mit Lernen begleitet werden muss. Ich habe das höchst konsequent umgesetzt“, sagt Steinbach. Dazu gehörte die Begrenzung auf eine relativ kurze Karriere im Sport, die 1980 ihr erzwungenes Ende fand durch den bundesdeutschen Boykott der Olympischen Spiele in Moskau. „Ich bin nicht generell gegen Boykotte. Wenn Politik, Wirtschaft, Kultur und andere gesellschaftlichen Kräfte eingebunden sind, dann kann es Sinn machen. Nicht aber, wenn der Sport allein fernbleiben soll. Dann wird er zum Opfer.“

 

Einen Dauerschatten hat über Steinbachs Leistungssport-Jahrzehnt der wachsende Betrug durch Doping gelegt. Er habe seit den Spielen in München 1972 durch Gespräche mit DDR-Athleten gewusst, dass besonders bei den Schwimmerinnen anabol betrogen werde. „Sie konnten dadurch unwahrscheinliche Umfänge trainieren und wurden somit schier unschlagbar.“ Aus diesem Ohnmachtsgefühl gegenüber dem Betrug ist vor den Spielen in Montreal 1976 der viel kritisierte Versuch des Schwimmverbandes Deutschland West ableitbar, seine Spitzenathleten durch eine künstliche Darmgaserhöhung schneller zu machen. Entsprechende Versuche im vorolympischen Trainingslager in Calgary, die als „Darm-Doping“ Aufsehen erregten, führten jedoch nicht zu der erhofften besseren Wasserlage. Damit verbunden waren nicht endgültig abzuschätzende gesundheitliche Risiken. Steinbach ist heilfroh, dass dieses Manipulations-Experiment im Kampf der Systeme keine Anwendung im Wettkampf gefunden hat.

 

Verfestigt hat sich diese Einstellung durch sein Parallel-Leben als Mediziner, das ihm die Möglichkeiten und Begrenzungen menschlicher Leistungsfähigkeit und ihres Wiedererlangens gelehrt hat. Sein 1976 begonnenes Studium schloss er 1983 ab und promovierte 1986 bei dem langjährigen leitenden Olympiaarzt Professor Dr. Wilfried Kindermann an der Universität des Saarlandes. Das Thema fußte auf praktischen Erkenntnissen: „Aussagefähigkeit der Fahrradergometrie zur Leistungsdiagnostik im Schwimmen.“ Orthopädie und Sportrehabilitation wurden zum Hauptthema seiner Berufspraxis. Chefarzt-Positionen in Bad Urach an der orthopädischen Rehaklinik 1989 und ab 1992 bei den Hochwald-Kliniken in Weiskirchen/Saar folgten. Dort stieg er 1997 zum Ärztlichen Direktor auf. Kein schlechter Hintergrund für jemanden, der seine Talente, Erkenntnisse und Erfahrungen nun auch in die Organisation des Sports und die Fürsorge für den Sportler einbringen wollte. Der Einstieg in das Nationale Olympische Komitee gelang bereits 1981 durch eine Persönliche Mitgliedschaft. In der Stiftung Deutsche Sporthilfe machte er sich ab 1989 nützlich im Gutachterausschuss, später wurde er deren Aufsichtsrat. Die Olympischen Spiele 1996 in Atlanta erlebte er als Mannschaftsarzt des NOK. Klaus Steinbach war hineingewachsen in den deutschen Sport als Funktionsträger. Gewachsene Einsichten und ungestillter Kampfgeist führten 2002 zum Duell mit Walther Tröger um die Präsidentschaft des NOK. Der frische Herausforderer gewann die Abstimmung gegen den verdienten Altfunktionär mit 69:58.

 

Man wird seine vierjährige Amtszeit als einen Übergang bezeichnen können mit dem Versuch, Althergekommenes abzulösen und neue Formen des Führens und Förderns zu finden. Das Tröger-NOK und der von Manfred von Richthofen geführte Deutsche Sportbund (DSB) hatten sich zu konkurrierenden Organisationen entwickelt, die zum Teil gegeneinander agierten und getrennt bei der Bundesregierung antraten, wenn es um die finanzielle Unterstützung des deutschen Sports ging. Steinbachs Bemühungen um „mehr Transparenz und Kooperation“ zwischen NOK, DSB und Sporthilfe und die Umwandlung des olympischen Komitees in ein Dienstleistungsunternehmen wurden gehemmt durch Widerstände und Misserfolge. Steinbach sah sich, wie er es ausdrückte, konfrontiert von einer „extremen Verdichtung von Problemen“.

 

Dazu trug ein sehr aufwändiges, mit besten Absichten geplantes, aber wenig professionell durchgeführtes Auswahlverfahren unter fünf nationalen Bewerbern um Olympische Spiele 2012 in Deutschland bei. Hamburg belegte in einem Punktesystem nach Qualifikationen Platz eins. Doch als in einer finalen Präsentation vor der abstimmenden NOK-Mitgliederversammlung Leipzigs Bürgermeister Wolfgang Tiefensee die Delegierten mit einem Cello-Solo entzückte, wurde die Hansestadt zum Verlierer hinter der Sachsen-Metropole mit ihren knapp 500.000 Einwohnern. Das IOC befand Leipzig als viel zu klein für Olympia und schloss die Stadt von der Endausscheidung aus. Unglücklich und erfolglos verlief zudem der Versuch, die NOK-Zentrale von Frankfurt nach Berlin zu verlegen. Die Hauptstadt hatte die Organisation mit einer reizvollen Immobilie ins Regierungsviertel zu locken versucht.

 

Doch entscheidend für Steinbachs nur vierjähriges Wirken als olympischer Vorstand war schließlich der starke Einsatz von DSB-Präsident Richthofen und Thomas Bach, die beiden Sportorganisationen zu einem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zu vereinen. Gegen Bach wollte Steinbach „als Vernunftentscheidung“ nicht antreten. Ihm sei klar gewesen, dass Präsident eines Verbandes mit 27 Millionen Mitgliedern derjenige werden sollte, „der die größten Kapazitäten hat“. Steinbach zog sich als Mitglied verschiedener nationaler und internationaler Kommissionen in den Hintergrund zurück. Bach, der 2013 vom deutschen Sport als IOC-Präsident Abschied nahm, sieht in Steinbach einen „starken Förderer des Sports und der Gesundheit durch Sport“. Als herausragender Athlet habe er nach Abschluss der Karriere seine Fähigkeiten in den Dienst der Gesellschaft gestellt. Der private Steinbach hat dann mit den Jahren eine kleine Alterskarriere gestartet. Schwimmen nur noch, wenn er mal in Meeresnähe kommt. Dafür Fahrten mit Rennrad und Mountainbike pro Jahr bis zur 9000-Kilometer-Grenze und dabei auch das Erklimmen des Tour de France-Riesen Mont Ventoux - als eine Art Altersrekord.

 

                                                                                                                        Günter Deister im Juli 2018