Sport schreibt
Geschichte.

Willkommen zu einer einzigartigen Zeitreise.

AKTUELLESDemnächst: 26. Mai
Am 26. Mai vor 50 Jahren wird die Stiftung Deutsche Sporthilfe in Berlin gegründet. Willi Daume und Georg von Opel zählen zu den Gründungsvätern. Josef Neckermann wird der erste Vorsitzende.

Am diesjährigen Gründungstag werden Heike Drechsler, Sven Hannawald, Franz Keller und Lothar Matthäus im Rahmen einer Matinee in Berlin offiziell in die "Hall of Fame" aufgenommen.

Mitglieder nächstes Mitglied zur Übersicht

Heike Drechsler

* 16.12.1964 in Gera

Leichtathletik

Zeitpunkt der Aufnahme 2017

Heike Drechsler gewann bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney ihre zweite Goldmedaille im Weitsprung (Foto: picture alliance)
Portrait

Erfolgreiche Weitspringerin in Ost und West

Heike Drechsler ist als jeweils zweimalige Olympiasiegerin und Weltmeisterin, als viermalige Europameisterin in Serie, als Weltrekordlerin mit 409 Weitsprüngen über 7 Meter und als Gewinnerin von 27 Medaillen bei internationalen Großereignissen zwischen der WM 1983 und den Olympischen Spielen 2000 eine der erfolgreichsten deutschen Leichtathletinnen.

Nachdem sie 1983 in Helsinki mit 18 Jahren überraschend den WM-Titel im Weitsprung gewonnen und in jenem Jahr erstmals die 7-Meter-Marke übertroffen hatte, konnte Heike Drechsler, damals unter ihrem Mädchennamen Daute, wegen des Ost-Boykotts im Jahre 1984 nicht nach einer Olympiamedaille greifen. Im Jahr darauf erzielte sie mit 7,44 m ihren ersten Freiluft-Weltrekord. Bei der EM 1986 in Stuttgart siegte die Ostdeutsche im Weitsprung und über 200 m und wurde vom Westpublikum gefeiert. In ihrer Spezialdisziplin siegte sie bis 1998 drei weitere Male in Folge bei den kontinentalen Titelkämpfen – das war zuvor keiner deutschen Leichtathletin gelungen. Nach Olympia-Silber 1988 in Seoul, WM-Bronze respektive -Silber 1987 und 1991 und einer Babypause 1989 krönte Drechsler ihre Karriere das erste Mal 1992 in Barcelona mit Olympia-Gold im Weitsprung. Zuvor hatte sie im hoch gelegenen italienischen Sestriere mit 7,63 m den weitesten Sprung einer Frau absolviert, allerdings mit 2,1 m/s Rückenwind zu viel, um als Weltrekord anerkannt zu werden. Zehn Jahre nach ihrem ersten Welttitel gewann sie 1993 in Stuttgart überlegen erneut den WM-Titel. Drechsler versuchte sich auch im Mehrkampf und stellte 1994 mit 6.741 Punkten eine Weltjahresbestleistung auf. Bei der WM 1995 musste sie jedoch verletzungsbedingt aufgeben, auch die Teilnahme an Olympia 1996 in Atlanta fiel einer Verletzung zum Opfer. Das Comeback gelang mit EM-Gold 1998 in Budapest, und der Höhepunkt stand noch bevor: 2000 in Sydney holte sie zum zweiten Mal bei Olympischen Spielen die Goldmedaille im Weitsprung. Nach weiteren Verletzungsproblemen beendete sie 2004 ihre Karriere.

In der DDR war Heike Drechsler Abgeordnete der Volkskammer und Mitglied des Zentralrats der FDJ. 1993 wurde sie beschuldigt, als „IM Jump“ für die Stasi tätig gewesen zu sein. Dopingforscher haben rekonstruiert, dass sie von 1982 bis 1984 hohe Dosen Oral-Turinabol bekam. Anfänglich bestritt sie die Stasi- und Dopingvorwürfe, was sie heute bedauert. Sie wirft sich selbst vor, nicht früher alles hinterfragt zu haben. Sie sagt, sie habe nie willentlich und wissentlich gedopt und verurteilt die Doping-Praktiken des DDR-System aufs Schärfste. In Interviews stellt sie sich ihren Kritikern, bezieht klar Stellung und unterstützt den Anti-Doping-Kampf beispielsweise durch Vorträge an Schulen.  Nach ihrer aktiven Sportkarriere arbeitet Drechsler als Repräsentantin für Sport Bewegung, Ernährung und betriebliches Gesundheitsmanagement bei einer Krankenkasse und ist eine gefragte Vortragsrednerin. Darüber hinaus engagiert sie sich unter anderem für Projekte gegen Brustkrebs und Kindesmissbrauch.

Erfolge

Größte Erfolge:
> Zweifache Olympiasiegerin im Weitsprung (1992, 2000)
> Zweifache Weltmeisterin im Weitsprung (1983, 1993)
> Viermal in Folge Europameisterin im Weitsprung (1986, 1990, 1994, 1998)
> Drei weitere Olympiamedaillen (1988 Silber im Weitsprung sowie Bronze über 100 m und 200 m)
> Vier weitere WM-Medaillen (1991 Silber und 1987 Bronze im Weitsprung, 1987 Silber über 100 m, 1991 Bronze mit der 4x100 m-Staffel)
> Hallen-Weltmeisterin im Weitsprung und über 200 m (1987)
> Vierfache Hallen-Europameisterin im Weitsprung (1986, 1987, 1988, 1994)
> Weitsprung-Weltcup-Siegerin 1985, 1992, 1998
> Fünf Weltrekorde (3-mal im Weitsprung 1985/86/88, 2-mal über 200 m 1986)


Auszeichnungen:
> Aufnahme in die Hall of Fame des Welt-Leichtathletik-Verbands IAAF (2014)
> Ehrenbürgerin Gera (2005)
> Goldene Henne (2005)
> Sportlerin des Jahres 2000
> Bambi 1998
> Kandidatin zur internationalen Wahl als Leichtathletin des Jahrhunderts (1999)
> Welt-Leichtathletin des Jahrhunderts (1999, Magazin Leichtathletik)
> Deutschlands Leichtathletin des Jahres (1993, 1994, 1998, 2000)
> Silbernes Lorbeerblatt (1992)
> Weltsportlerin des Jahres 1986 (La Gazzetta dello Sport)
> Europas Sportlerin des Jahres 1986 (Vereinigung europäischer Sportjournalisten)
> Stern der Völkerfreundschaft in Gold 1986
> DDR-Sportlerin des Jahres 1986
> Vaterländischer Verdienstorden in Gold 1984 und 1988

Biografie

Text folgt